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Dann eben zur Polizei -- Teil3

 

West-Berlin um 1968!

 

In West-Berlin gab es keine Wehrpflicht.

 

Es war das Paradies für potentielle Wehrpflichtverweigerer und Langzeitstudenten in den Nicht- naturwissenschaftlichen oder -mathematischen Studiengängen.

 

Mein Cousin aus Bonn, in meinem Alter, war einer davon und wohnte im tiefen Kreuzberg SO 36, am Schlesischen Tor, in einer dunklen Hinterhofwohnung.

 

Durch ihn kam ich auch in Kontakt zu den zukünftigen Intellektuellen und ihren Ansichten, die so ganz und gar nicht mit dem übereinstimmten, die ich von dieser Welt hatte. Ich las so aber sogar unter anderem Schriften von "Herbert Marcuse" und kam auch kurz ins Zweifeln, wurde dann aber durch die Interpretationen der kiffenden ," Ho-Chi-Ming" schreienden, haltlosen angeblichen Pazifisten und "Möchte-gern-Intellektuellen" schnell wieder klar im Kopf.

 

Über diese Zeit ist viel später mal ein nach meiner Ansicht guter Artikel in der Taz (eigentlich nicht meine Lektüre und auch nicht meine Grundmeinung):

 

Von der Empörung zur Gewalt und wieder zurück

 

http://www.taz.de/!5182541/

 

"Wer mit 20 kein Sozialist ist  hat kein Herz.    Wer über 40 noch Sozialist ist hat keinen Verstand"

 

Dieser Spruch von vielen Urhebern belegt, war wohl auch mein Kredo, aber aus eigener Erfahrung überzeugt. Meine SPD-Mitgliedschaft und der Versuch sich einzubringen dauerte etwa 10 Jahre und endete frustriert mit der Zurücksendung des Parteibuches.

 

Dies war die Zeit der Krawalle in Kreuzberg, Vorfälle wie am 2 Juni, der Entstehung der sogenannten APO (Außer-Parlamentarische- Opposition) und dann der RAF (Rote -Armee -Fraktion) .

 

Ich habe dies hier angeführt, um deutlich zu machen, dass junge Polizisten zu dieser Zeit in Berlin-West auch kein einfaches Umfeld hatten.

 

Obwohl mir mein ehemaliger Lehrlingskollege "Manne" ein lukratives Angebot bei der Allianz-Versicherung machte, eine eigene Agentur mit einem ansehnlichen "Stock" von seinen Verträgen/Kunden mit der entsprechenden "Restprovisionen".

 

Er hatte von seinem Vater schon  eine erheblich große Zahl von Provisionskunden übernommen und es wurde ihm nun "zu viel", da die ja auch "betreut" werden wollen.

 

Eine Woche lang hatte ich intensiv überlegt und dann aber entschieden "bettelarmer alimentierter Bulle" zu bleiben. So habe ich bewusst meine Millionärskarriere ausgeschlagen und den alter Opel weiterhin nicht gegen einen Daimler-Benz eingetauscht.

 

So habe ich bei der 5. bautechnischen Bereitschaft in Lankwitz meinen 24 Stundendienst  auf verschiedenster Art verbracht.

 

Bild-Url: https://up.picr.de/34943862oy.jpg

Viel Sport war dabei und im Schwimmen gewannen wir neben vielen einzelnen Medallien auch den Mannschftspokal!

 

Die andere Zeit war auch gefüllt durch Freizeitaktivitäten, wie Fußball, mit dem "MB Tümmler", Lkw-Fahrten für die Fa. Schenker als Zubrot (war erwünscht und durch den Senat gefördert) und der Arbeit als Gewerkschaftler.

 

In diese Zeit fiel auch mein großes Engagement bei der GDP ( Gewerkschaft der Polizei,) wo wir eine "Junge Gruppe" bildeten, die innerhalb der GDP eigenständig strukturiert war und eine einfache Publikation herausgab. Ich war im Berliner Vorstand der gewählte "Kassenwart".

Neben der Vertretung der Interessen von den jungen Kollegen/innen (die Frauen kamen erst ende 1978 im Rahmen eines Pilotprojektes zur Schutzpolizei) haben wir Bildungsveranstaltungen und auch Bildungsreisen organisiert, unter anderem auch in die USA und Japan.

Davon berichte ich aber das nächste Mal! (im Teil 4)

 

Ich hatte mich zwischenzeitlich für den "gehobenen Dienst" der Schutzpolizei beworben. Aufgrund der fast sehr guten schulischen Leistungen war die Bewerbung aussichtsreich.

Jedoch es kommt im Leben oft anders als man denkt, denn zum Abschluss gab es noch die "Nasenprüfung" durch die  sieben höchsten Polizisten beim Kommandeur der Schutzpolizei am Platz der Luftbrücke.

Alles noch sogenannte "Nachkriegspolizisten mit Wehrmachtserfahrung", die für konstruktive Kritik , kritischen Nachfragen oder Eigeninitative niederer Dienstgrade wenig offen waren, sondern sie sogar als mögliche Sabotageakte ansahen.

 

Ich hatte zwar nicht die polizeiliche Mindestgröße und in den Augen der Führer keinesfalls die hochragende aufrechte mindestens 180er Körpergröße für die angebliche natürliche Autorität eines deutschen Polizeioffiziers, ansonsten aber hervorragende Zensuren und Beurteilungen.

Ich hatte diese Tatsachen berücksichtigt und mich eigentlich gut vorbereitet.

Bei der Befragung durch die "honorigen Herren" und es lief sogar hervorragend, sogar zu geschichtlichen und auch Tagesthemen, bis es zur fast abschließenden Frage kam, was ich so in meiner Freizeit mache.

Freimütig erzählte ich ihnen, was ich so neben dem Dienst so noch aktiv tat. Als ich die Worte "Junge Gruppe in der GDP" herausbrachte, hörte ich schon einen Zwischenruf, "Aha, Polizeischauartikel!"

 

Die "Polizeischau mit Zapfenstreich", hab leider nur die von 1962 gefunden, aber so ging es bis 1970.

Polizei-Schau Berlin (West) 1962 im Olympiastadion

 https://www.youtube.com/watch?v=nMy26yeQPzM

https://www.tagesspiegel.de/berlin/berliner-chronik-28-januar-1983/1151690.html

 

 

Diesem oben genannten Zwischenruf folgte die Frage, was ich von der Polizeischau halte und ob ich den kritischen Artikel im Blatt der "Jungen Gruppe" geschrieben hätte.

Ich verneinte wahrheitsgemäß, das ich nicht der Verfasser sei. Ich hätte es andere Formulierungen gewählt. Jedoch bestätigte ich meine Solidarität mit der geschriebenen Gesamtaussage, dass die jungen Bereitschaftspolizisten beim monatelangem Training für das Fahnenschwingen usw. der Polizeischau zu viel ihrer von Ausbildungszeit verlieren, was wohl die Qualität der Ausbildung in der sowieso unruhigen Zeit noch mehr mindern dürfte.

Mein Plädoyer kam wohl nicht so gut an.

 

Mit den Worten, ich bekäme Bescheid, wurde ich dann zeitnah von den der persönlichen "Nasenprüfung der 7 Heiligen" entlassen.

Draußen auf dem Flur wartete noch der "Schulle", schlank, 192cm groß, blond mit einem polizeilichen Schuldurchschnitt von schwach befriedigend, auf mich.

Mit diesen körperlichen Merkmalen habe ich viele "Vorgesetzte" kennengelernt, die wohl wie mein "Schulle" besonders gefördert-- nicht gefordert--waren.

In der späteren Unterhaltung berichtete er, zur Freizeitfrage bewusst nicht von seinen Aktivitäten bei der GDP da drinnen erzählt zu haben. Freimütige Ehrlichkeit zahlt sich wohl oft nicht aus, wie ich schon nicht viel später erneut feststellen durfte!

 

Die Polizeischau wurde dann 1970 erstaunlicherweise  durch den Polizeipräsidenten Hübner ausgesetzt und später neu gestaltet.

 

Entgegen der "Zusage zur Ausbildung für den gehobenen Dienst" für meinen Stubennachbarn "Schulle" erhielt ich eine "Absage" mit dem Zusatzvermerk  " …..darf sich nie mehr für den gehobenen Dienst bewerben."

Oha, diese Formulierung ist ein absoluter Ausschluss und ohne Begründung, die  mir schon mit meinen wenigen dienst- und verwaltungsrechtlichen Kenntnissen wohl  "rechtswidrig" erschien. Ich überlegte, ob ich über meinen Rechtsschutz dagegen angehen sollte und besprach dies mit Kollegen der GDP. Ein Mitglied des Gesamtpersonalrates, ein "Wanninger-PHK", mit dem Namen eines der größten Aas fressenden Greifvogel, interessierte sich nach einer eingeholten Rechtsauskunft beim hauseigenen Rechtsberater dafür und wollte auf dem "kleinen Dienstweg" eine Rücknahme des Bescheides erwirken, denn er nahm ja ständig an Veranstaltungen der Verantwortlichen als Personalrat teil. Er bat mich ihm den Bescheid zu geben, was ich naiver Trottel auch tat, jedoch ohne eine Kopie zu ziehen bzw. ihm eine solche Kopie mitzugeben.

 

Das Leben lehrt, Erfahrungen kommen nicht von allein.

 

Der "Kollege" Personalrat war für mich nie erreichbar, was ja nicht verwunderlich war, denn es waren unruhige Zeiten und der Pers.Rat überall dabei!

Ich weis heute nicht mehr, ob er mir noch zwischenzeitlich angab, alles sei am laufen, aber nach 6 Wochen stellte ich ihn zu Rede. Er sagte der Bescheid sei verschwunden, einfach verschwunden, er wisse nicht wo dieses Blatt Papier geblieben ist und es tut ihm leid.

Ich war so verblüfft und stinksauer, wobei mir erst nach einer Woche einfiel, das in meiner Personalakte ja eine Durchschrift sein muss. Ich bin nicht einfach dort sofort hingerannt, sondern lies mir telefonisch einen "Termin zur Einsicht in die Personalakte" geben.

Siehe da, darin befand sich eine "Durchschrift" die ich so nie gesehen hatte, weil der Zusatz fehlte. Ich mutmaßte, da wurde etwas ausgetauscht, konnte es jedoch nicht beweisen.

Als ich dann mit eine Kopie zum Kollegen Personalrat ging , damit er mir den veränderten Inhalt bestätigt, konnte er sich nicht mehr daran erinnern.

Ich habe  damals dann zeitnah alle Aktivitäten beendet und bin aus der GDP ausgetreten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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